Finale in Neukölln

Das hätte vor Beginn dieses Footballjahres sicher niemand vermutet, dass es 2 Teams der untersten Liga sein werden, die als einzige (neben den Kobra-Damen) im Erwachsenenbereich im Tackle-Football noch spielen. Hätten die Experten und Insider sich im Bezug auf die 5. Liga noch alle bei den Berlin Kobras als Gruppensieger treffen können, so hatten die Berlin Thunderbirds nur wenige auf dem Schirm. Dabei hatte das Jahr mit dem Verlust des Heimplatzes beim Stern Britz e.V., dem legendären „Käfig“, auch nicht gut begonnen. Erst kurz vor der Saison fanden die Thunderbirds ihr neues Zuhause bei Schwarz-Weiß Neukölln auf einem neuen Kunstrasenplatz mit festen Linien, Flutlicht und neuen Toren. Danke auch nochmal an unsere Bezirksbürgermeisterin Fr. Dr. Giffey und das Sportamt Neukölln, für die freundliche Unterstützung. Dies scheint den meisten in Berlin noch nicht bekannt zu sein, so dass es im Vorfeld einige Unruhe deswegen gab. Am Ende steht knapp 18 Monate nach dem ersten Ligaspiel nun im 19. Spiel der neu gegründeten Männermannschaft (die vorherige wanderte mit dem Head Coach Heiko Güse zu den Berlin Rebels ab und gründete dort die 2. Mannschaft, an dieser Stelle GRATULATION ZUM AUFSTIEG in Liga 3, inzwischen mit Head Coach Leeroy Foster), etwas früher als geplant, auch gleich ein echtes Finale ins Haus. Gibt es nach der Perfect Season nun auch noch einen Aufstieg?

Dazu gewohnt kurz Fragen an den sportlichen Leiter der T-Birds, Martin Bobo Lutzke:

T-Bird: Gratulation zur Perfect Season. Warum hat das Spiel gegen die Bullets erst später angefangen?
Coach Bobo: Ein Auto mit 2 Spielern der Offense Line steckte im Stau. Jeder weiß, dass man ohne die nicht spielen braucht, wer das nicht kann, wird sich dort sehr leicht verletzen, selbstverständlich haben wir gewartet, bis die da, aufgewärmt und einsatzbereit waren, daher die Verzögerung.

T-Bird: War es das erwartet schwere Spiel, ähnlich wie die Kobras gegen die Falken Probleme hatten?
Coach Bobo: Dank des Spielplanes hatten wir mit den Vandalen ja bereits ein Spiel in der Rückrunde absolviert, hatten also einen gewissen Rhythmus, so dass wir leichter in das Spiel kamen. Motivation war die, durch das überraschend schwache Spiel der Kobras, entstandene Möglichkeit eine Differenz von 29 Punkten für das Heimrecht aufzuholen, womit ja niemand bei uns gerechnet hatte. Wobei da eher die eigenen Nerven, als die Bullets der Gegner waren, muss man ehrlicher Weise zugeben.

T-Bird: Aber Spielende kurz vor Ende des 3. Qtr. Was war da los?
Coach Bobo: Der HC der Bullets bat um Spielzeit Null Sekunden, nachdem von seinen 21 Spielern nur noch 18 einsatzfähig waren, was nicht an unserer Spielweise lag, sondern sicher daran, dass viele dort zwei und drei Wege gehen mussten und dann eben einfach an ihrer Grenze angelangt waren. Natürlich habe ich diesem Wunsch entsprochen, kein Spiel ist es wert, die Gesundheit von Spielern dafür zu riskieren, am Ende ist es eben doch nur American Football in Deutschland, also alles Amateure und folglich alles ab Montag wieder Arbeitnehmer, die wieder arbeiten, also sollte man die Relationen auch wahren. Auch dafür ist der Head Coach eines Teams verantwortlich.

T-Bird: Beim Spiel hat man Adler Coach Eric Schramm gesehen, aber keinen von den Rebels, weißt Du warum?
Coach Bobo: Fand ich gut das Eric da war, zeigt das man dort wieder seine Hausaufgaben macht und sich nicht von dem ganzen Insolvenzkram ablenken lässt auf der sportlichen Ebene, Trainingsdummies, Beitragszahler und Talente sucht, um wieder an die Play-offs anzuknüpfen und erster Verein in Berlin zu werden, also alles normal. Coach Dogan braucht nicht kommen, wir telefonieren öfter miteinander, wir kennen uns auch einfach gut genug,
er hat ja auch schon mal Trainingseinheiten bei uns gemacht.


T-Bird: Es gehen tausend Variationen zu der Vergabe des Heimrechtes durch das Netz, wie ist es nun wirklich?
Coach Bobo: Also ich kenne nur eine. Die Kobras haben ihre Spieler für das Finale geschont, Verletzte auskuriert und vor zufälligen Platzverweisen geschützt, guter Standpunkt, wenn man aufsteigen will, alles korrekt. Seien wir auch mal ehrlich, wir waren ja alle da und konnten es sehen, Phasenweise hat die Kobras ihr Rasen eher gestoppt als die Falken, das übrigens bei bestem Wetter, also ich verstehe die Aufregung nicht…

T-Bird: … vielleicht weil man dort so super sehen kann…?
Coach Bobo: … also ich sehe von jeder Teamzone gut, ob Rasen oder Kunstrasen, ist mir egal…
T-Bird: … aber den Kobras-Zuschauern eher nicht…?
Coach Bobo: … was nur die Kobras selber mit einer anderen Ausrichtung hätten ändern können und mir vollkommen egal ist, wenn überhaupt bin ich für die Spieler verantwortlich und dass nach einem German Ladies Bowl (am Samstag), einem B-Jugend-Halbfinale (am Sonntag) um 11 Uhr, um 15 Uhr noch gute Bedingungen dort herrschen, habe ich noch nie erlebt und ich kenne dieses Stadion seit langen Jahren. Ich ganz persönlich sehe die Gefahr, auf der Forckenbeckstraße zu enden und dann lieber auf unserem neuen Kunstrasenplatz. Also habe ich vom Vorstand die Vorgabe bekommen „Mach was Du für richtig hältst und gut ist“. Also nach Bundesspielordnung ist das dann so ausgerechnet worden vom Ligaobmann und damit haben wir Heimrecht, was ich gerade auch dem Vorstand kommunizierte und bat entsprechend einzuladen.

T-Bird: Haben wir eine Chance gegen die Kobras und werden aufsteigen?
Coach Bobo: Also nochmal, zum letzten Mal und ganz langsam und deutlich. Ich habe einen 3 - 5 Jahresplan vorgestellt beim Vorstand, um eine Männermannschaft aus dem Nichts aufzubauen, bis hin zum ersten Aufstieg in Liga 4. Im letzten Jahr waren wir froh, ein paar Spiele gewonnen zu haben, so etwas kann auch leicht mal 0-10 enden, alles schon erlebt. In diesem Jahr war dann eine Saison mit ausgeglichener Bilanz das Ziel. Was keiner wissen konnte und wofür wir auch nicht verantwortlich sind, ist die Tatsache, dass die Warriors und Bullets so stark abgebaut haben zum Vorjahr, eine Mannschaft nicht antrat und wir damit nur 2 schwere Spiele gegen die Vandalen hatten. In der Kobras-Gruppe ja noch desaströser, dort gab es nur 6 Ligaspiele. Also Erfahrung kann man nicht coachen und ob wir nach 18 Spielen in der Geschichte dieser Mannschaft, die zu über 90 % aus eigenen Jugendlichen oder Neuanfängern besteht, schon wirklich in ein Finale gehören, werden wir erst noch sehen. Ob wir nach dem 18:42 und 10:30 vom letzten Jahr, also einem 28:72, überhaupt ein Chance haben ebenfalls, aber dennoch werden wir darüber nachdenken nachzurücken, wenn man es uns anbieten sollte, um bessere Gegner in 2016 zu haben. Wenn beides nicht gehen sollte, spielen wir da, wo wir nach Sonntag eben gelandet sind.

T-Bird: Welches ist der entscheidende Mann bei den den Kobras und was kann man dagegen tun?
Coach Bobo: Bernd Gottschalk. Der hat das Programm dort aufgebaut und durchstrukturiert, damit haben sie ein paar Jahre Vorsprung, gerade auch bei ihrer sehr starken Jugendarbeit und das ist ein Vorsprung, den wir nicht schnell kompensieren können. Aber auch unser Vorstand unternimmt da die richtigen Schritte und sorgt für Kontinuität.

T-Bird: Ok, welches sind die entscheidenden Spieler dieser Partie bei den Kobras?
Coach Bobo: Stärkster Verteidiger der Kobras ist für mich Linebacker #51 Lennart Hehn, den ich noch als Auswahltrainer von 2004 und dem Jugendländerturniersieg her kenne und natürlich Alexander „Ali“ Phillip, einen der besten Sportler, mit denen ich gearbeitet habe. Der ehemalige Boxer der 2. Bundesliga war fast ein Jahrzehnt einer der besten Berliner Running Backs, leider hatten die großen Vereine damals Geld und haben natürlich US-RB eingekauft, so dass Ali in der GFL-2 und Regionalliga spielte. Er wird ganz alleine das Finale entscheiden, spielt er nach seiner Schulterverletzung in guter Form, war es das. Spielt er nicht so, oder ist nur der OC der Kobras müssen wir sehen, ob wir mitspielen können, zumindest mehr als bei den beiden letzten Spielen, wie ich hoffe.

T-Bird: Wie würdest Du die beiden QB miteinander vergleichen?
Coach Bobo: Gar nicht.
T-Bird: Ok, etwas genauer bitte ?
Coach Bobo: Ali ist Option-QB und Ex-RB in einer Run-and-Shoot Offense, Christoph ist Hand-off QB, Ex-LB und pocket-Passer aus der Gun. Äpfel und Birnen vergleichen und dann die Frage, was schmeckt nach Fisch…

T-Bird: Dein Tip?
Coach Bobo: Könnte ich tippen, würde ich Lotto spielen, da gibt es dann wenigstens was zu gewinnen.

T.Bird: Wie gehst Du dieses Finale eigentlich persönlich an?
Coach Bobo: Ok, also es ist 5. Liga im deutschen Amateurfootball, alle müssen am Montag wieder arbeiten gehen und für uns fängt auch am Montag bereits das Wintertraining an, ich dachte eben, wir hätten vorher etwas Pause, egal. Aber für die Spieler beider Teams wird das ihr erster persönlicher Super Bowl sein, für ein paar Stunden sind sie die Helden, die sie am Sonntagnachmittag sehen werden. Alle werden da sein, weil eben keine andere Berliner Mannschaft noch spielen wird, weil für alle schon die Play-offs, Relegationsträume ausgeträumt sind. Also ich hoffe auf ein spannendes 5. Liga Spiel, das kann auch spannend sein, und ein paar Spielzüge bekommen die Jungs auf beiden Seiten auch hin, die einen von den Sitzen reißen können und die Emotionen werden bei 100% sein, das ist auch ganz sicher. Aber am Ende muss einer die Nerven behalten und für die Thunderbirds werde ich das sein.

T-Bird: Auf was bist Du stolz in diesem Jahr bei den T-Birds?
Coach Bobo: Auf drei Dinge: erstens wie die Integration der Jugendspieler funktioniert hat, zweitens das wir von 105 auf knapp 80 yards an Strafen in diesem Jahr gekommen sind und drittens auf unser Klima im ganzen Verein, was besonders durch alle Betreuer und den Vorstand geprägt wurde und einfach Spaß macht, dabei zu sein. Dadurch ist bei uns das Gewinnen und Verlieren nur eine Sache am Spieltag, aber jedes Training eine Sache, zu der ich gerne gehe, einfach weil alle T-Birds da sind.

FINALE der Landesliga Ost

Sonntag, 27.09.2015 | Kickoff 15:00 Uhr | Stadion Britz Süd (Buckower Damm 13)

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